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Presseinformation

Dresden, 11. Juni 2007  

Fachkräftemangel bereitet dem Handwerk Sorgen
Sächsischer Handwerkstag: Bis Ende Mai bereits mehr als 1.200 Lehrverträge im sächsischen Handwerk unterzeichnet

Der sich seit einiger Zeit abzeichnende Konjunkturauftrieb in Deutschland belebt zunehmend den Lehrstellenmarkt im Handwerk. Bis 31. Mai wurden für das neue Ausbildungsjahr 2007/2008 im sächsischen Handwerk bereits 1.205 Ausbildungsverhältnisse vertraglich besiegelt – das sind 50 mehr (+ 4,3 %) als im Vorjahreszeitraum. Deutlich größeres Interesse als im Vorjahr fanden die Lehrberufe Zimmerer, Dachdecker und Maurer, wenngleich die meisten Verträge bislang für die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker, Friseur und Bürokauffrau/-mann geschlossen wurden.

„Erfreulich ist diese Entwicklung für uns deshalb, weil wir dringend auf fundiert ausgebildete Fachkräfte angewiesen sind“, wie der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Joachim Dirschka, am Montag vor der Presse in Dresden sagte. Das Handwerk sei gut beraten, sich so frühzeitig wie möglich einen eigenen Facharbeiterstamm aufzubauen, ehe die Zahl der Schulabgänger in den kommenden Jahren rapide zurückgehe. „Schon jetzt sehen wir uns in einigen Branchen – darunter im Metall- und Elektrogewerbe – mit einem Mangel an qualifiziertem Personal konfrontiert.“

Dirschka räumte ein, dass es vor allem den Chefs kleiner Unternehmen zunehmend schwerer falle, geeignete Fachkräfte zu finden und auf Dauer an das eigene Unternehmen zu binden. Zurückzuführen sei dies zum einen auf die in jüngster Zeit verstärkte Abwanderung junger ausgebildeter Meister und Gesellen in Richtung Altbundesländer. Zum anderen versuchten gerade junge Facharbeiter immer mehr, in prestigeträchtigen Großunternehmen, z.B. in der Automobilindustrie, unterzukommen.

„Wenn Fachkräftemangel nicht zur Bremse für die Konjunktur im Handwerk werden soll, müssen wir uns jetzt noch stärker in der Ausbildung junger Menschen engagieren“, so der Präsident. Allerdings seien heute stärker als bisher alle gesellschaftlichen Gruppen – von der Familie über Kindergärten und Schulen bis hin zur Wirtschaft – gefordert, die Chancen des Nachwuchses auf erfolgreiche Bildungskarrieren zu verbessern.

In diesem Sinne plädiert Deutschlands Handwerksorganisation seit längerem mit Nachdruck für eine „nationale Bildungsinitiative“.

Notwendig sei vor allem, bereits Vorschulkinder durch ein flächendeckendes Kindergartenangebot aktiv zu fördern sowie Qualitätssicherungssysteme für alle Schulformen bis 2010 umzusetzen, um so den Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss zu halbieren, sagte Dirschka. Deutschland könne es sich nicht länger leisten, ein Viertel aller Schulabgänger eines Jahrgangs ohne ausreichende Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen aus der Schule zu entlassen.

Um dem zu erwartenden Mangel an guten Fachkräften im Handwerk entgegenzuwirken, müsse zudem das duale Ausbildungssystem für Unternehmen und Lehrlinge weiterhin attraktiv bleiben. „Sicher bedarf es dazu einer stärkeren Differenzierung, aber keinesfalls einer Absenkung des Ausbildungsniveaus“, betonte der Präsident. Immerhin sichere erst berufliche Kompetenz, die in Betrieben und Berufsschulen vermittelt werde, den Erfolg im späteren Berufsleben und damit die Heranbildung von qualifizierten Fachkräften.

Unverändert aktuell ist darüber hinaus die Forderung des Handwerks, Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit zwischen den Bildungssystemen zu stärken. Dazu gehöre in Sachsen, die Voraussetzungen für einen uneingeschränkten Zugang von Handwerksmeistern zum Hochschulstudium zu schaffen.

Handlungsbedarf sieht das sächsische Handwerk aber auch in einer noch effektiveren Koordinierung der Berufsorientierung für junge Leute. Erfolgreiche Aktionen wie die „Woche der offenen Unternehmen“, der Girl´s Day sowie die „Tage der offenen Tür“ in den Bildungszentren von Kammern und Verbänden sollten unbedingt um weitere Angebote ergänzt werden, regte Dirschka an. Von den 14- bis 22-Jährigen gut angenommen werde etwa das 2006 vom sächsischen Handwerk etablierte Jugendportal www.ich-kann-etwas.de. Hier könne man jederzeit freie Lehrstellen ausbildungsberechtigter Handwerksbetriebe aus ganz Sachsen online recherchieren.

Mehr Effektivität in der Berufsorientierung verspricht sich das Handwerk letztlich vom Projekt „Berufe-Wahl in Sachsen“, wie von der Handwerksorganisation im Freistaat unlängst vorgestellt. Anliegen dieser Initiative ist es, Schülern bereits ab 7. Schuljahr die Möglichkeit zu geben, durch befristeten Einsatz im Handwerk erste berufspraktische Erkenntnisse zu sammeln und zugleich eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten zu testen.

Pressekontakt:
Sächsischer Handwerkstag
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Frank Wetzel,
0351/4640 510
0351/4640 511

www.handwerkstag-sachsen.de

 

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